The Last Vegas Opening Night Donnerstag den 02. Dezember 1976

 

Donnerstag den 02. Dezember 1976

 

Das "2001" verklang und Ronnie Tutt begann zum "Opening Theme" auf sein Schlagzeug einzuschlagen. Das Joe Guercio Orchester setzte ein und unterstützt von einigen Aufschreien des Publikums ging das so ein paar Takte lang dann erst kam Elvis. Die vereinzelten Aufschreie vervielfältigten sich zu einem einzigen lauten Begrüßungsschrei aus den Kehlen von 2.500 glühenden Fans. Elvis grinste schelmisch, als er die Bühne betrat. Bevor er an sein vorbereitetes Mikrofon ging, drehte er erst einmal die gewohnte Ehrenrunde auf der Bühne, während der er die Zuschauer in jeder Ecke des Showrooms durch eine leichte Verbeugung oder ein Handzeichen grüßte. Auf dem Weg zur Bühnenmitte zurück kam Charlie dann auf ihn zu und half ihm, die Gitarre umzuhängen. Die rechte Hand ließ er neben an der Gitarre herunterhängen. Die andere legte er lässig auf dem Mikroständer ab.

 

Elvis war während der ersten Takte von C.C. Rider immer Noch nervös wie am ersten Tag. Das Lampenfieber schien ihn niemals zu verlassen. Ein Mädchen ruft lautstark sein "I love you Elvis" durch den Showroom. Elvis zeigt mit dem Finger auf sie und setzt seine Arbeit fort so, das war es dann meine Damen und Herren. Vielen Dank". Aber das war es noch lange nicht. Kaum hatte sich Elvis mit diesen Worten verabschieden wollen, da begann er auch schon mit Got A Woman" das I Got A Woman-Amen Medley. Im zweiten Teil des Liedes, einer Adaption des amerikanischen Kirchenliedes Amen, blühte Elvis aber erst so richtig auf. Er forderte das Publikum zum Mitsingen auf und steigerte sich immer weiter in das Lied hinein. Aber dann plötzlich, mitten in einem der vielen "amen" unterbrach er: "Das ist nur so eine Routine, die ich an dieser Stelle durchmachen muss, meine Damen und Herren". Ein paar weibliche Fans am Bühnenrand nutzten die kurzen Gesangspausen aus und sprachen Elvis an. Er ging schon in diesem frühen Stadium der Show darauf ein und es entstand ein Gespräch, das Elvis sichtlich amüsierte. Erst nach einiger Zeit vollendete er dann das unterbrochene "Amen", an dessen Ende J.D. Sumner mit seiner tiefen Tonlage den Showroom zum Vibrieren brachte. Das Publikum war von J.D.'s Leistung begeistert und klatschte beeindruckt Beifall. Elvis sang diese letzten "Amens" ungewohnt schnell. Sie sollten ja auch nur als Starthilfe für J.D. dienen. Elvis sagte noch zu ihm, er brauche doch jetzt nicht nervös zu werden, denn er könne es schaffen. Und J.D. schaffte es auch. Immer weiter senkte er seine Stimme, bis nur noch ein tiefes Brummen den Show­room durchzog, das sogar die Mägen der Zuschauer zum Kribbeln brachte. "Vielen Dank meine Damen und Herren. Ich möchte Sie zu unserer Show willkommen heißen und ah, wir ah., sind glücklich darüber, dass Sie gekommen sind und dass wir uns hier sehen können. Elvis schien heute wieder sehr auf den Kontakt mit dem Publikum aus zu sein. Während des Liedes war er fast nur am Tücherverteilen und Hände schütteln. Einige Textzeilen sang er gar nicht mit, weil er viel zu beschäftigt mit den Girls am Bühnenrand war. Selbst als die Hintergrund-Särger ihren letzten Ton anstimmten, nahm Elvis noch Geschenke entgegen. Elvis bedankte sich für den Applaus zu diesem Lied und mit seinem selbst schon unter Nicht-Elvis fans bekannten "You're a good audience", begann er mit If You Love Me Let Me Know. Eine starke Fassung. Wieder nur ein "Thank you very much. You're a fantastic audience" und schon ging es mit You Gave Me A Mountain weiter. Sobald das Publikum das Lied erkannte, klatschte es bereits im Intro dazu Beifall.. Elvis Version heute war fantastisch. "Ich danke ihnen sehr. Danke meine Damen und Herren. Mein dritter Film hieß Jailhouse Rock. Er blickte zur Band, die in diesem Augenblick ein aggressives Intro zum Lied begann. Dann setzte Elvis ein. Seine tiefe Stimme verlieh dem Song einen besonderen Reiz.

 

"Vielen Dank. Ich habe 1960 ein Lied gemacht..ah, das haben wir von "0 Sole Mio" übernommen. Und wir haben den Text in It's Now Or Never umgewandelt". Elvis hatte sich für diesen Titel etwas Besonderes ausgedacht. Er verzichtete darauf Sherrill Nielsen den Text in italienisch vortragen zu lassen, bevor er mit dem englischen begann. Grinsend schaute Elvis während des Gondolieren-Intros zu seinem Freund Joe Esposito hinüber und rief ihm zu: "Na, kriegst du Heimweh Joe"? Nicht nur das Intro lehnte heute an Elvis' original Studioversion an. Er schien bemüht zu sein auch den Rest dementsprechend zu gestalten. Er sang es langsamer als bei anderen Liveauftritten. Das Klavier war ebenfalls ähnlich arrangiert wie damals 1960. Der geschmackvolle Einsatz lateinamerikanisch klingender Trompeten rundete einen herrlichen Vortrag ab.

 

"Vielen Dank danke. Ich möchte gerne ein Medley aus einigen meiner Songs für sie bringen Are ycm sincere. Ohne große Ansage folgten dann seine großen Erfolge All Shook Up und Teddy Bear - Don't Be Cruel. Während dieser Oldie-Parade verteilte er Dutzende von Tüchern. Dann war das Lied zu Ende, Elvis unterbrach nach vielleicht vier Minuten sein Schwätzchen mit den Fans und begann sofort mit And I Love You so als Hommage an all die Girls, die ihm ihre Begeisterung und Zuneigung entgegenbrachten. Kaum waren die letzten Geigentöne zu diesem Lied verklungen, da sang Elvis ganz gedankenverloren "I Just Can't Help Believing.." vor sich hin. Und als er merkte, dass das Publikum darauf ansprang, fragte er, ob er das Lied vollständig bringen soll. Überflüssige Frage. Er wusste genau, dass das Publikum für alles zu haben war, was außerhalb seines normalen Repertoires lag. Das Lied ging ganz gut durch. Alles klang zwar etwas verhaltener als damals, aber man bekam eine vollständige Version zusammen. 'Fever'. Die Saallichter erloschen und ein Spotlight tauchte Elvis in einen dunkelroten Lichtschein. Jerry Scheff spielte das dumpfe Intro zu Fever.

 "Vielen Dank. Ah, Ladies and Gentlemen..ich würde gerne einen Song bringen, von dem ich sicher bin, dass Sie ihn bestimmt schon das eine oder andere Mal gehört haben. Er heißt Softly. Und ich habe erforscht, wer dieses Lied geschrieben hat. Und ich fand heraus, wie er diesen Song ursprünglich gemeint hat. Und ich möchte Sherrill Nielsen bitten, diesen Song für sie zu singen". In diesem Augenblick begann das Piano leise zu spielen und Elvis erzählte den Zuschauern die Geschichte von dem sterbenden Mann, der seiner Frau, die neben ihm am Krankenbett eingeschlafen war, im Zeitpunkt des Todes noch schnell eine letzte Nachricht schrieb.

 

In den stürmischen Beifall hinein bedankte sich Elvis bei Sherrill und dem Publikum. Und mit einem langsamen "Polk Sssalad", gab er der Band das Zeichen zum Stimmungswechsel. Jerry Scheffs Fender-Bass wurde während des Liedes zum Saitenzerreißen strapaziert. Überhaupt gab es während diesem Titel einige wirklich bemerkenswerte Instrumentaleinlagen der so genannten TCB-Band. Elvis legte sich voll ins Zeug und kann bei "Polk Salad" außer Puste. Und so hatte er sich jetzt schon eine kleine Ruhepause verdient.

 

Elvis verschaffte sich diese Ruhepause durch die Vorstellung der Bandmitglieder. Die Bandvorstellung begann Elvis immer mit den "Sweet Inspirations", die ja schon im Vorprogramm aufgetreten waren. Sie bestanden zu dieser Zeit aus den Mitgliedern Myrna Smith, Estelle Brown, Sylvia Shemwell und Ann Williams. Dann ging er zu den "Stamps". Auch sie wurden seit einiger Zeit nicht mehr nur pauschal als "Stamps Quartet" vorgestellt, sondern auch hier stellte Elvis jedes Mitglied namentlich vor. "The beautiful girl with her high voice singin' ...she's got a beautiful voice.. and she's from Los Angeles. Her name Is Kathy Westmoreland". Mit Kathy Westmoreland hatte er die Hintergrund-Gruppe durch. Er ging jetzt ein Stück Richtung Bühnenmitte, wo die TBC-Band platziert war. Und als er dann den aus Springfield, Missouri stammenden John Wilkinson vorstellte, begann dieser mit dem Lied Early Morning Rain, welches Elvis gesanglich begleitete. Man spielte das Lied nie ganz durch, sondern brachte immer nur eine oder zwei Strophen. Es sollte ja nur dazu dienen John und seine Gitarrenarbeit kurz in den Vorder­grund zu stellen. Aus Shreveport, Lousiana stammte James Burton, der schon damals das wohl höchstbezahlteste Mitglied der Band war. Nachdem Elvis seinen Namen genannt hatte, brachte James eine furiose Fassung von Whatd I Say. Auch hier stimmte Elvis mit ein und sang die Zeile: "Hey, Mama don't you treat me wrong, come and love your daddy all night long all right, teil me what' d I say. Das restliche Solo füllte er dann nur noch mit einem ständig sich wiederholenden "Whatd I say". James war der Einzige in der Band, der auf Anordnung von Elvis ein zweites Solo wahrend der Band-Vorstellung spielen sollte. Elvis wusste, dass James seine Gitarre auch hinter dem Kopf, also seitenverkehrt spielen konnte. Und das musste er den Fans natürlich vorführen. James nahm also die Gitarre hinter den Kopf und spielte die ersten Strophen von Johnny B. Good, dem klassischen Chuck Berry Titel. Er spielte hinter seinem Kopf schneller und genauer, als manch anderer in normaler Haltung. Elvis sang auch hier wieder mit, aber er tat dies nie besonders schön. Er tat es eben nur, weil der Rhythmus ihn mitriss. Dann kam Ronnie Tutt aus Dallas am Schlagzeug . Am Fender-Bass stand der aus Los Angeles stammende Jerry Scheff. Auch Jerry spielte nach Elvis' "Play it blues Jerry" ein längeres bluesiges Solo. Am Piano saß der bekannte Nashville-Studiomusiker Tony Brown ebenfalls aus Nashville stammte David Briggs, der sein Können am Electric-Clarinete unter Beweis stellte. Als er sein Solo beendet hatte, legte Elvis seine Hand auf seine Schulter und sagte zum Publikum: "Das erste Mal, dass David und ich zusammenarbeiten das war seine erste Studio-Session wir machten damals einen Song namens "Love Letters". Elvis hatte den Liedtitel kaum ausgesprochen, da begann David mit Love Letters. Dann ging es weiter in den letzten Teil der Bandvorstellung: "Der Junge, der mir mein Wasser und meine Schals reicht und der auch Harmony mit mir singt er ist mein Freund..sein Name ist Charlie Hodge. Unser Dirigent meine Damen und Herren..er ist direkt hier aus dem International Hotel. Sein Name ist ah Joe Guercio. Und das fantastische Joe Guercio Orchester.

 "Meine letzte Platte, soviel ich weiß heißt 'Hurt'  Elvis' Vortrag dieses Liedes war sensationell. Er hatte in diesem Dezember eine stimmliche Energie, die unglaublich schien. Einige Fans standen bereits während des Liedes auf, um Elvis Beifall zu zollen. Und am Ende schien der Applaus nicht abreißen zu wollen. Kurzerhand sagte Elvis also: "Ich sag euch was. Ich versuche es noch einmal, wenn ihr es noch mal hören wollt". Und ob das Publikum wollte. Und schon begann eine komplette zweite Fassung. "Danke, vielen Dank. Sie sind ein fantastisches Publikum. Dann folgte „Hound Dog". "Ich hatte mal einen Film namens 'Blue Hawaii' gemacht. Und da war ein Song drin, der Hawawawawaiian Wedding Song hieß, Elvis ging während diesem Lied hinüber zu Kathy Westmoreland. Und am Ende des Songs ergriff er ihre Hand und hauchte sein "I do..“Und Kathy wiederholte. Dann kam“..love you" welches ebenfalls von Kathy wiederholt wurde. Und dann schlössen beide gemeinsam mit“..with all my heart". Grinsend beendete Elvis das Lied mit dem Satz "Da denkt man hinterher immer, man wäre wirklich verheiratet.

 

"Da bald Weihnachten ist, möchte ich gerne Blue Christmas für sie singen. Und da gibt es eine Menge Leute, die behaupten, dass ich nicht Gitarre spielen könnte. Nun, die Jungs haben recht. Dafür habe ich schließlich meine eigene Band. Ich persönlich kann nur drei Akkorde. A, B und D". Elvis sang gefühlvoll, fast gedankenverloren. Ein wahrer Genuss. "Danke. Das nächste habe ich vor 21 Jahren aufgenommen. Es ist ein Song names Thats All Right Mama. Das Einzige, was wir damals hatten, war eine Rhythmus-Gitarre, eine Elektro-Gitarre und ah..ein Bass. Das war alles". "That’s All Right Mama" war kaum verklungen, da nahm Charlie Elvis die Gitarre wieder ab. "Danke vielen Dank. Lasst uns Bridge Over Troubled Water bringen". "Bridge Over Troubled Water", das wusste Elvis, war immer ein einsgeheimer Wunschtitel der Fans. Und mit diesem Titel machte er die 100 Minuten voll! Sein gefühlvoll vorgetragener Text, seine volle Stimme, alles schien hier zueinander zupassen. Er verlieh dem Lied noch einen besonderen Reiz, indem er es etwas langsamer spielen ließ als sonst. Aber dann war das Ende der Show gekommen:

 

„Vielen Dank. Danke Ladies and Gentlemen. Vielen Dank, Ah..ich möchte gerne meinen Vater vorstellen. Er ist im Publikum. Und ich bin froh, dass er hier ist. Das Intro zu Cant Help Falling In Love erklang. Charlie kam mit einem letzten Stapel Tücher aus der Ecke. Elvis verteilte sie, während er sang.

 

 


 

 

 

 

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