Elvis Live in: Binghampton,  New York Freitag, der 27. Mai 1977 Broome County Veteran Memorial Coliseum

 

Elvis 1975: „Wenn ich eine Halle betrete, kann ich schon sagen, ob ein Publikum gut ist oder nicht. Ich höre es atmen. Und daran erkenne ich, wie das Publikum sein wird".

 

Bis zum „200T“-Thema hatte er noch einige Augenblicke. Und in denen versuchte er zu ergründen, was für ein Publikum ihn wohl heute erwarten würde. Der Saalsprecher bat darum die Plätze einzunehmen und forderte den Beleuchter auf, die Saallichter zu dimmen. Ein Raunen ging durch das Publikum und in der entstandenen Dunkelheit erklang das „2001" Thema. Für Elvis war der Zeitpunkt des Auftrittes gekommen. Noch einmal zupfte er den Anzug zurecht und dann ging er hinaus ins gleißende Scheinwerferlicht! Der „Sundial"-Anzug glitzerte golden im Licht und im Reverse hatte Elvis einen weißen Schal aus Kunstseide. Er ging wie gewohnt rüber zu Charlie Hodge, begrüßte durch zahlreiche Gesten das Publikum und holte sich dort seine hellbraune Gitarre ab. Langsam trottete er dann wieder zurück zur Bühnenmitte, wo er für Sekunden regungslos stehen blieb.

 

Es dauerte noch einige Takte des „Opening Themas", bis er eine günstige Stelle zum Einstieg fand. Dann legte er los. Er brauchte nur ein kraftvolles „Oh see, see see rider..." zu singen und schon erstickte die Menge seinen Gesang für Sekunden im Lärm der Begeisterung. Nach dem Lied erklang frenetischer Beifall. Elvis grinste zufrieden: „Thank you very much"! Er alberte dann kurz mit dem Bekannten „Well" herum und versuchte dabei ein ganz tiefes „Well" zu singen. Aber wieder einmal musste J.D. Sumner bei den letzten, tiefen „Wells" aushelfen. Elvis bewunderte J.D. für diese Leistung mit beeindruckter Mimik und meinte: „Ich sollte es noch einmal probieren, denn es sah (bei J.D.) recht einfach aus". Aber er wusste, dass er J.D.s Leistung nicht erreichen konnte, also ging er sofort zum „l Got A Woman-Amen"-Medley über. Das Publikum ging voll mit und klatschte im Takt des schnellen Rhythmus. Während „Amen" sang er mit mächtiger Stimme mit und sein „Sing it with us everybody" klang euphorisch und locker. Immer öfter spornte er die Fans zum Mitsingen an und mit jeder Strophe rief er: „Noch einen halben Ton höher"! Doch nach einigen Strophen stockte er plötzlich. Für Sekunden stand er völlig still. Die schwungvolle Musik des „Amens" war verstummt. Plötzlich zuckte Elvis' rechtes Bein unter einem Schlagzeugwirbel von Ronnie Tutt. Ein Schrei des Publikums war die Reaktion. Das linke Bein zuckte. Wieder ein Aufschrei der Menge. Noch einmal zuckte das Bein. Dieses Mal warf Elvis dabei wild den Kopf hin und her, was eine noch stärkere Reaktion des Publikums auslöste. Elvis hatte inzwischen seine rechte Hand leicht ausgestreckt und ließ nun unter Ronnies Trommelwirbel wild seinen Daumen kreisen.  „Mein Daumen spielt verrückt", kommentierte er nur und schon begann er unter dem Gekreische der Fans und begleitet von Ronnies Schlagzeug, wie bei einer Strip-Show sein Becken kreisen zu lassen. Mit lauten Year, begleitete Elvis seine symbolische Hüft­show. Doch plötzlich, nach nur wenigen Sekunden, signalisierte er der Band mit einem Schlag durch die Luft, dass es genug war. Die Band verstummte, das Publikum stellte das hysterische Geschrei ein und Elvis stand wieder regungslos. Mit einem: ,,..Help me out J.D." wollte er das zuvor unterbrochene letzte „Amen" komplettieren. J.D. begann seine tiefe Bassstimme vibrieren zu lassen und Elvis sah bewundernd zu. Aber als J.D. seine angebliche Spitzenleistung beendet hatte, verfinsterte sich Elvis' Blick: „Ahh, sie können sich sicher denken, dass er das noch besser kann. Denn er ist der tiefste Basssänger, der Weit und da ist, sicher noch mehr drin, hoffe ich. Ah, er erzählt mir das jedenfalls immer und ich hoffe, er kann es auch. Also hören sie ihm dieses Mal zu Elvis begann noch einmal einige schnelle „Amens" zu singen und gab dann J.D. das Zeichen zum zweiten Bassspektakel. J.D. gab sein bestes und dieses Mal grinste Elvis zufrieden. Wenn der King zufrieden war, war es das Publikum auch. Also gab es frenetischen Beifall für J.D. und Elvis beendete mit einer locker gesungenen letzten Zeile von „I Got a Woman" den Eröffnungsblock der heutigen Show.

 

Er gab die hellbraune Gitarre an den ganz in weiß gekleideten Charlie zurück, wechselte ein paar wenige Worte mit einem Fan und kam dann zur Begrüßung: „Ich war letzten Abend schon hier und heute Abend bin ich wieder zurückgekommen" (Aufschrei der Menge). Dass Elvis schon am Abend zuvor in Binghampton war, wurde spätestens dann offensichtlich, als er wohl ein paar bekannte Gesichter in der ersten Reihe wieder erkannte. Er erklärte dem restlichen Publikum, dass er mit diesen betreffenden Fans erst noch kurz etwas zu erledigen hätte und gab dann einer der bewussten Frauen, begleitet vom Geschrei der Zigtausend anderen Fans, einen dicken Kuss. Die Halle tobte wegen des Kusses. Doch als wäre nichts passiert, kehrte Elvis zum offiziellen Teil der Show zurück: „Aah, guten Abend Ladies & Gentlemen. Wir hoffen, dass Sie unsere Show genießen werden. Wir werden eine Menge ahh Lovesongs bringen und ein bisschen herumalbern. Und wir werden versuchen hier den ganzen Abend unser Bestes zu geben. Und später werde ich auch auf diese Seite der Bühne dort zurückkommen (Riesiges Geschrei von der Bühnenrückseite). Und auf diese Seite werden wir auch zurückkommen (wildes Geschrei auch von der Seite, in die Elvis gezeigt hatte). Und dort rüber komme ich auch. Also, genießen sie es einfach und überlassen sie ... Charlie das fahren. Sehen sie, er hat hier alles unter Kontrolle". Ein tief gesungenes „Treat. me like a foo!.." leitete zu einer typischen Konzert-Version von „Love Me" über.  Ein einfaches „Year danke" leitete zu „If You Love Me Let Me Know" über. Er hatte aufgehört Schals zu verteilen und wahrte jetzt den Abstand zu den Fans. Er wollte sie nicht immer weiter aufheizen. Schließlich ging es bei der Show ja nicht nur ums Schalverteilen. Elvis nutzte den Applaus nach „If You Love Me Let Me Know" dazu, einen Schluck Wasser zu trinken. Dann drehte er sich zu Schlagzeuger Ronnie Tutt und rief ihm 'Mountain' you fool" zu. Ronnie gar nicht faul, haute das Intro zu „You Gave Me A Mountain aufs Schlagzeug und die Bläser-Sektion des Orchesters unterstützte ihn schließlich. Auch wenn der letzte dramatische Ton so schwach war, dass er von den Hintergrund-Sängern fast völlig überdeckt werden musste, so war es doch eine sehr schöne Fassung dieses Liedes. „Letzte Nacht haben wir an dieser Stelle 'Jailhouse Rock' gebracht. Aber heute wollen wir lieber 'Blue Suede Shoes' bringen. Ich hoffe, sie mögen das auch". Es war eine schnelle Version, die er da heute brachte. Die Fans waren vom akustischen Effekt her absolut in ihren Erwartungen befriedigt. Nachdem Elvis „Blue Suede Shoes" zu Ende gesungen hatte, sagte er plötzlich zum Publikum: „Entschuldigen sie mich bitte für eine Sekunde". Dann drehte er sich zur Band und flüsterte: „Und ihr Jungs spielt etwas". Dann war er verschwunden. Die Band spielte kurzerhand einimprovisiertes Instrumental, um die Zeit zu über­brücken, in der Elvis weg war. Keiner wusste so genau, warum Elvis die Show unterbrach, um kurz ins Dunkel zu verschwinden. Nicht mal eine Minute, nachdem die Band ihr Instrumental begonnen hatte, kehrte Elvis souverän lächelnd, ins Scheinwerferlicht zurück. Er sah zur Band rüber und meinte nur: „O.k."! Sofort ging die Show an der Stelle weiter, an der Elvis sie unterbrochen hatte. Das Piano-lntro zu „Teddy Bear/Don ‘t Be Cruel" erklang und Sekunden später hatte Elvis die merkwürdige Begebenheit durch das Verteilen von unzähligen Tüchern in die Ecke der Vergessenheit gedrängt. Mit einem lang gezogenen „yeah, yeah yeah yeeeehh" schloss er das Medley ab.

 

Kaum war der letzte Ton verklungen, da donnerte ein bluesiges „Well since my baby left me, l've found a new place to dwell..." durch die Halle. Ein Aufschrei des Publikums begleitete die erste Textzeile und ertränkte gleich dazu noch die gesamte zweite Textzeile von „Heartbreak Hotel". Wie alle Oldies dieser Tage, so nahm Elvis auch diesen nicht besonders ernst. Anfangs sang er mit mächtiger Stimme, doch mehr und mehr versuchte er gegen Ende mit seiner Mimik die Seriosität aus dem einst so verrufenen Song zu nehmen.. Und den Abschlussteil verzerrte er schließlich zu: „..just take a walk down Lonely Street to Heartbreak Hotel, you'll be ha dadada lonely baby. You'li be so lonely you could diehiehiehie", wobei er bei jeder Silbe des letzten Wortes weiter mit der Stimme runterging. Als er nicht mehr tiefer kam, tat er so, als würde er nach hinten umfallen. Das Licht erlosch fast gänzlich und die Band beendete den Titel mit einem lauten „Da daaaa".Elvis genoss den Beifall für „Heartbreak Hotel" nur wenige Sekunden lang. Schon bald sah er zu Glen Hardin am Klavier rüber und rief: „Danke, vielen Dank. Ahn, 'Bridge Over Troubled Water' mein Sohn". Charlie Hodge bekam die Anweisung das Textblatt zu bringen und wenige Momente später begann das leise Klavierintro zu „Bridge", wie Elvis es immer kurz zu nennen pflegte. In die entstandene Ruhe während des leisen Intros schrien einige Fans ihre Kommentare. Einen griff Elvis auf, rief dem Fan etwas zu und schon begann er mit einem der Höhepunkte der Show. Das Textblatt in der rechten Hand und das Mikro in der linken. So ausgestattet sang er ganz leise und zaghaft die ersten Worte. Er sang so zaghaft, dass das Publikum ganz ruhig wurde und ihm für Sekunden völlige Aufmerksamkeit schenkte, ohne ständig auszuflippen. Und in diesen Sekunden der Ruhe kam etwas ans Tageslicht, das während dieser Tour des Öfteren offensichtlich geworden war, nämlich die fehlerhafte Tonanlage, die von Zeit zu Zeit Schwierigkeiten machte und den Ton nicht ganz sauber rüberbrachte Also brach er das Lied sofort ab und informierte Bill Porter am Mischpult:  „...and friends just can't be found oh like a bridge over troubled water nun, wartet mal eine Minute. Wartet mal eine Minute". Er fuchtelte mit dem Textblatt in Richtung Band, um ihr den Abbruch zu signalisieren. „Dieses Mikrofon sollte eigentlich die tiefsten und zartesten Töne noch aufnehmen können". Er deutete zum Publikum, während er weiterhin Bill Porter ansah: „Aber die können davon nichts hören. Ich hätte gerne mein Mikrofon ausgetauscht o.k."? Applaus des Publikums brandete auf, während Elvis auf der Bühne mit gewohnter Coolness dem heraneilenden Toningenieur entgegenlief, um das Mikro abzuholen das Klavierintro zum zweiten Take von „Bridge" lief schon, als Elvis entschuldigend sagte: „Haben Sie Nachsicht mit uns. Irgendwie kriegen wir das schon hin". Charlie Hodge lachte während dieser ganzen Aktion ständig im Hintergrund und zeigte sich über all das sehr amüsiert. Lächelnd ging Elvis mit dem kaputten Mikro zu ihm hinüber, reichte es ihm hin und sagte cool: „Probier' du das Ding doch mal aus, du Hurensohn"! Das Publikum wusste, dass Charlie ihm diese 'Nettigkeiten' nicht übel nahm. Er und Elvis hatten dem Publikum schon die ganze Show über klargemacht, dass alles was auf der Bühne stattfand, purer Spaß war. Und die ständigen Sticheleien zwischen Elvis und der Truppe wurden von den Fans auch immer als Spaß Verstandenen. Trotz aller Härte.

 

Elvis konzentrierte sich mit einem Blick auf das Textblatt wieder auf 'Bridge'. Noch einmal schaute er, lächelnd über seine üble Ausdrucksweise, zu Charlie und Glen hinüber. Dann ging es los. Die zweite Fassung schien noch schöner zu klingen als die erste. Gegen Schluss hatte er sich so in die Melodie hineingesteigert, dass er in seiner Begeisterung zwei Strophen durcheinander mischte ("..like a bridge over troubied water, I will ease your mind Lord Lord lay me down"). Und begleitet von einem tiefen „wohohoho wohohoho hooo", warf er beide Arme nach oben, schrie die letzten Töne laut gen Himmel und mit einem Zucken der Arme beendete er einen spektakulären Programmpunkt in diesem Konzert. Die Fans schienen nach diesem Song außer sich zu sein. Sie hatten schon einmal, noch während des Liedes, Elvis' starke Stimme mit spontanem Beifall honoriert. Und jetzt am Ende schien niemand mehr den Begeisterungssturm aufhalten zu können. Elvis bedankte sich unzählige Male für den nicht enden wollenden Applaus und erst seine Ansage zum nächsten Titel ließ das Publikum wieder ruhiger werden: „Im Jahre 1937 ah..im Jahr 1960 machten wir einen Song namens 'It's Now Or Never'. Und ah ... das haben wir übernommen von dem Lied 'O Sole Mio. Und ich möchte Sherill bitten, 'O Sole Mio zu singen und ich bringe dann dieses...aah 'It's Now Or Never. Hören sie sich seine Stimme an Ladies & Gentlemen". Sherill Nielsen machte sich sofort an die Arbeit und begann mit den markerschütternsten Tönen das Italienische traditional hinzuschmettern. Elvis meinte dazu nur, dass er ihn gleich einfangen würde, aber das Publikum klatschte amüsiert Beifall. Und je quirliger Sherill sang, desto erstaunter schaute Elvis ihn mit großen Augen an. Die Fans lachten sich halb tot, ais Elvis Einerstauntes 'gottverdammt' knurrte und schließlich so tat, als würde er es bereuen dem völlig außer Kontrolle geratenen Sherill diesen Part überlassen zu haben. Dann löste Elvis den Hintergrundsänger endlich ab und übernahm den englischsprachigen Teil des Liedes. Erneut kam hier wieder der volle Umfang seiner Stimme zur Geltung, die selbst zur damaligen Zeit schon in den meisten Zeitungsberichten als hervorstechendste Eigenschaft Elvis Presleys Erwähnung fand. Sie war einfach unglaublich und es war nur schwer nachzuvollziehen, dass sich die grelle Stimme, die vor Jahren noch ein schrilles „Trying To Get To You" sang, in einen so tiefen, vollen Bariton verwandeln konnte. Am Ende von „It's Now Or Never" experimen­tierte Elvis immer wieder gerne mit seiner Stimme. Er wiederholte immer wieder die letzte Textzeile: „lt's now or never, my love won't wait". Dabei zog er seine Stimme jedes Mal tiefer in den Bassbereich. Er machte das drei, vier Mal, bis er nicht mehr tiefer konnte. Dann sang er ein Letztes „It's now or never.." und zog plötzlich das Mikro zur Seite, riss die Augen erstaunt auf und ließ J.D. mit seinem alles über trumpfenden Bass das fehlende „..my love won't wait" ergänzen. Elvis' Gesichtsausdruck in diesem Augenblick, die großen Augen und das verschmitzte Lächeln; all das war alleine schon den Eintrittspreis wert! Den Abschluss von „It's Now Or Never" bildete ein stimmgewaltiges „ ..my love won't waihaihaihaiiiiiiit", während dem Elvis mit seiner Stimme die Halle zum Vibrieren brachte. Er war jetzt nicht mehr aufzuhalten. Grinsend und zufrieden genoss er den Applaus der brodelnden Zuschauermasse. „Danke, vielen dank Ladies & Gentlemen. Was wollt ihr hören Leute!?" Mit diesen Worten brach das Chaos aus. Tausend Liedwünsche prasselten auf ihn hernieder. „Love Me Tender" wiederholte er den Zuruf eines Fans und schon begann das Klavierintro zu diesem Titelsong seines ersten Filmes. Vom bereits laufenden Intro unbeirrt, schrien die Fans an der Bühne immer weitere Liedwünsche. Elvis beruhigte sie: „Wir kriegen alle Songs durch. Wir schaffen das schon, alle zu singen. Just hang loose". und sofort setzte er mit „Love Me Tender" ein. Die erste Hälfte sang er wirklich gut und bei manchen Textzeilen hatte man das Gefühl, das er zum ersten Mal seit Langem wieder mal ein wenig Gefühl in die Worte zu legen versuchte. Doch dann begann er mehr und mehr damit seine Tücher zu verteilen und schon entgleitete die einst wunderschöne Ballade ins Standard-Niveau. Beim Flirten mit den Fans ließ er plötzlich Textzeilen weg, sang die Melodie lieblos. Mit seinem „Was wollt ihr hören "Spielchen, hatte er übrigens geschickt das kräftezehrende Lied vor der Bandvorstellung umgangen. Normal brachte er vor diesem trägen Programmpunkt immer noch mal so einen richtigen Reißer wie „My Way", „How Great Thou Art" oder gar „Poik Salad Annie". Das hatte er geschickt wegfallen lassen. „Danke, vielen Dank, ah ich ah... lassen sie mich die Mitglieder der Gruppe vorstellen, die mit mir hier oben auf der Bühne ist. Ah, zuerst die Mädchen., die sie bereits früher in unserer Show heute Abend getroffen haben. Wir sind jetzt seit sieben Jahren zusammen und ich denke sie sind schon fast acht? Wir sind schon seit fast acht Jahren zusammen? Ain't it funny..! Ah, die 'Sweet Inspirations'.

 

Die Gentlemen im Hintergrund sie gehören zu den Top-Gospelgruppen des Landes.. JJ.J. JäJäJä.J.D. Sumner und das Stamps Quartet. Ah, ich möchte ihnen gerne die Stamps einzeln vorstellen, weil sie sonst..wissen sie..sie drehen sonst durch und flippen aus. Alle, außer Ed Hill. Der Basssänger, sein Name ist Larry Strickland. Der Bariton Sänger was ist über ihn zu sagen? Nun, ich denke nicht viel..nein.. ich mache natürlich nur Spaß. Sein Name ist Ed Hill. Der Lead-Sänger sie möchten sicherlich noch nicht mal hören, was es über ihn zu sagen gibt. Ah nein, er ist einer der besten ah..ah..ah..Sänger auf dieser Seite des Mississippi..oder im Mississippi oder wo auch immer haha. Ed Enoch. Halt' deinen Mund hahaha. Ihr Tenor-Sänger ah er ist aus Elisabethtown ah Elisabethville. welches davon stimmt denn nun? Elisabethtown? Noch nie davon gehört. Ich mache das jetzt schon seit 19 Jahren, aber davon habe ich noch nie gehört. Sein Name ist Bück Buckles. Das kleine Mädchen mit der hohen Stimme, sie stammt aus Los Angeles und ihr Name ist Kathy Westmoreland. An der Rhythm-Guitar ist John Wilkinson". Nach diesen Worten begann John das Intro des Liedes „Early Morning Rain" zu spielen. Durch dieses kurze Solo konnte er einige Augenblicke lang sein Können unter Beweis stellen. Aber schon bald stimmt Elvis mit ein und es gelang eine nette Version dieses tollen Country-Songs, die der King mit einem souveränen „..so I best be on my way, in the early morning rain..year", abschloss. „Danke John" , murmelte Elvis in den für diese kleine Einlage doch riesigen Applaus. „An der Lead Gitarre, aus Shreveport/-Louisiana, ist James Burton. Elvis hatte diesen Satz kaum ausgesprochen, da begann James auch schon mit einer furiosen „What I Say" Version, die Elvis nur eher zaghaft während einigen Zeilen stimmlich begleitete. „Year, danke James. Gute Arbeit. An den Drums, aus Dallas/Texas, ist der schwerst arbeitende Ronnie Tutt". Heute wollte Ronnie dieser Ansage uneingeschränkt gerecht werden. Was er in den nächsten Minuten darbot, war schier unglaublich. Dieser Mann war ein Spitzen­drummer. Da bestand gar kein Zweifel. Er haute immer berauschendere Wirbel auf sein Instrument und schon während des Solos klatschten die Anwesenden zwei oder drei Mal furiosen Beifall. Elvis' belobigende Worte für Ronnie, den er während des ganzen Solos bewundernd beobachtet hatte, gingen im nicht enden wollenden Applaus völlig unter. Schließlich setzte er die Bandvorsteliung fort: "Am Fender Bass, aus Los Angeles, ist Jerry Scheff. Spiel' etwas. Kannst Du den Blues spielen"? Jerry warf Elvis ein paar bestätigende Worte zu und schon griff er fleißig in die Saiten. Am Ende von Jerrys Solo meldete sich Elvis wieder zu Wort: "Lassen sie mich ihnen etwas erklären, wenn ich darf, Ladies & Gentlemen. Das Wetter kann auf die Saiten-Instrumente Hinfluss nehmen. Es ist hier sehr schwer die Instrumente zu stimmen, denn die Saiten sprechen darauf sofort an Elvis' weiterer Vortrag versank in den sofort hundertfach durch die Halle geschrienen Songwünschen der Fans. Sie nutzten jede etwas ruhigere Sekunde der Show, um    Elvis mit Liedtiteln zu bombardieren. Er riss noch einen kurzen Spruch und erkannte dann, dass ihm vor lauter Wünschen ohnehin niemand mehr zuhörte. Also ging es mit der Bandvorstellung weiter: "Ah, am Piano, aus Tony, ist Nashville Brown". Tony Brown störte sich nicht an diesem Wortspiel und haute in die Tasten. Elvis summte dieses Solo fast in voller Länge mit er schien heute absolut davon angetan gewesen zu sein. Als Tony zu Ende gespielt hatte, lachte Elvis, sichtlich amüsiert über die hektische Melodie von Tony's Solo, sein Wortspiel am Anfang und einen Insiderwitz, den er über die „Crewcuts" machte (Sein Spitzname für die „Sweet Inspirations"). Schließlich forderte er Tony auf, das Ende des Solos noch mal zu spielen. Tony griff wieder in die Tasten, doch schon bald unterbrach ihn E!vis: „Oh..no, no, no! Warum spielst du nicht das..nun, wartet mal eine Minute. Spiel' eins von den mehr getrageneren Stücken. Weißt du"? Ja, Tony wusste. Und sofort begann er ein anspruchsvolles, klassisches Stück auf dem Klavier zu spielen. Elvis zeigte sich über Tonys Vielseitigkeit fasziniert. Doch gerade an der dramatischsten Stelle seiner klassischen Einlage klimperte er plötzlich das Ende seines lockeren ersten Solos, was sich natürlich sehr verzückt anhörte. "An der Electric..ha ha..an der Electric Klarinette ist Red Bobby Ogdin". Elvis lachte sich noch halb tot über Tonys merkwürdigen Melodien-Mix, als Bobby Ogdin bereits sein Solo begann. Das war nun schon die dritte Tournee, während der Bobby Ogdin das langjährige Bandmitglied David Briggs am Electric Piano und an der elektrischen Klarinette ersetzte. „Year, danke Bobby", kommentierte Elvis sein Solo. „Und der Kerl, der mir meine Tücher und mein Wasser reicht..und der hier oben viel am rumlachen ist ah..ha..sein Name ist Charlie Hodge. Unser Dirigent ist ein Büffel, ah. er ist aus Buffalo/ New York. Es ist hahaha. Joe Guercio. Das Joe Guercio Orcestra".

 

Bei diesen Worten erhob sich das Orchester von den Stühlen und begann den Chuck Berry Hit „School Days" und Elvis sang dabei von Anfang bis Ende mit. Mal sang er eine Zeile in einer sehr hohen Tonlage, um dann wenige Noten später in eine tiefe Basstonlage abzutauchen und dann wieder einen Teil mit höherer Stimme zu bringen. Es war sehr interessant ihm dabei zuzuhören. Und die starke Mitwirkung selbst während diesen Soli spiegelte wider, dass er an diesem Tag voll da war. Das relativ panische, von schrillen Trompeten durchzogene Ende des Liedes würzte er mit ein paar lang gezogenen „year, year, year, yeeeaaaaarr"s. "Whow, vielen Dank. Eine unserer letzten Platten    heißt    'Hurt ‘".    Das donnernde    Schlagzeugintro hatte schon begonnen und die Band hatte sich schon voll ins Zeug gelegt, da ergänzte Elvis:„..und das werden wir jetzt    bringen.year ’m sooo huuuurt." Das Mikrofon in der linken Hand und den rechten Arm vor Anstrengung angewinkelt, stieß er die Worte mit voller und tiefer Stimme ins Mikrofon. Für das furiose Finale von „Hurt" nahm Elvis das Mikro in die rechte Hand: „..I would never.ever hurt..", noch einmal  zog er den schweren Gürtel zurecht, um sich auf die bevorstehenden Anstrengungen vorzubereiten:"..huuuurrrrrt..y ouu". Während  den letzten Worten schrie er die Stimme mit aller Macht heraus. Er beugte sich vor Anstrengung zur Seite und stieß mit dem linken Arm durch die Luft. Nach ein paar „Thank you" machte er plötzlich und ohne Ankündigung einen Ausfallschritt und Sekunden später powerte er durch eine rasende Version von „Hound   Dog". Wieder verteilte er dabei eine Anzahl seiner Tücher an die völlig ausflippenden Fans an der Bühne. Langsam baute das Orchester das große Finale auf, Elvis knurrte ein paar Mal verwegen und schließlich begann er wild mit dem gesamten Oberkörper zu wackeln. Nachdem er sich selbst kräftig durchgeschüttelt hatte, beendete er mit einem kurzen ,,..you ain't no friend of mine" diesen legendären Song und ein stimmgewaltiges, bluesiges „Ho, ho, ho, ho, ho, ho, ho, ho" leitete in den phänomenalen Applaus über. „Vielen Dank meine Damen und Herren", seine Worte kamen gegen die zig tausend Fans nur schwer an. „Ah, ich möchte ihnen sagen, dass..wissen sie..wir hatten eine Menge Spaß hier. Und wir hoffen, wir haben etwas gebracht, was sie mögen". Ein „We love you" Schrei gellte durch den ganzen Saal und Elvis stockte gerührt in seiner Abschiedsrede. Leise fragte er ins Publikum: "Unchained Melody? O.k.! Ich werde es versuchen". Er ging zum Klavier und nahm Platz: "Ich kenne die Akkorde nicht, wissen sie..also..! Er murmelte noch so etwas wie: „..ich muss sie erst am Telefon erfragen", und dann rief er ein lockeres: „Damn, here we go". Es folgten letzte Anweisungen darüber, wie Charlie das Mikrofon für Elvis' Stimme zu halten hatte und wenige Sekunden später durchflutete Elvis' Klavierspiel die Halle. Ruhe kehrte in der Haue ein. Sobald Elvis die Tasten berührte, schien die Halle die Luft anzuhalten. Dieses Lied war ein weiterer Beweis seiner sehr guten Tagesform, denn was er heute aus diesem Song machte, lag weit über den Versionen, die er sonst oft in dieser Zeit von „Unchained Melody" brachte. Und bei der Stelle ,,..are you stiiiil miiine", gegen Ende des Liedes, zog er die Stimme so hoch, dass es einem vor Stimmgewalt durch Mark und Bein fuhr. Elvis hatte nach der Bandvorstellung noch mal richtig aufgedreht. Elvis erhob sich vom Klavier und ging gemächlich zur Bühnenmitte zurück: "Sie sind ein gutes Publikum. Danke. Vielen Dank. Take it on". Was dieser Satz bedeutete, war allen im Saal klar. Das Klavier-Intro zu „Can't Help Falling In Love" erklang und die Fans schrien verzweifelt auf. Elvis sang sich durch die Ballade und verteilte noch mal so viele Tücher wie möglich. Mit einem dreckigen     und lang gezogenen „yäähhäähhhäärr" beendete er den Klassiker aus dem Film „Blue Hawaii", der nun schon so viele Jahre als Abschlusssong von Elvis' Shows fungierte. Und während die Band fließend in das Closing Vamp überging, legte Elvis behutsam das Mikrofon auf den Bühnenboden und warf erleichtert und triumphierend zugleich die Arme in die Luft. Während das „Closing" im Hintergrund spielte, drehte er noch einige Ehrenrunden auf der Bühne. Die Fans feierten ihren 'King, während der sich nach und nach kurz in alle Richtungen verbeugte und vorne an der Bühne noch mal so viele Hände wie möglich streifte. Egal wo Elvis hinblickte, sofort wurde er noch mal mit einem Aufschrei der Menge aus dieser Ecke des Auditoriums gefeiert. Erst als er elegant und für viele fast unmerklich in Richtung Ausgang zeigte, wussten die Bodygards, dass es Zeit für den Abschied war. Noch einmal checkten sie, ob alies klar für die „Flucht" war und schon streifte Elvis hastig an ihnen vorbei, aus dem Blickfeld der Fans. Eine fantastische Show hatte ihr Ende gefunden. Das Closing Vamp spielte noch ein paar Momente weiter. Und während die Besucher der Show sich noch von dem Erlebten erholten, prasselten schon die gewohnten Ansagen auf sie herab: „Ladies & Gentlemen.

 

Elvis hat das Gebäude verlassen. Danke und gute Nacht.

 

 


 

 

 

 

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