"Nur 46 Min." Eine viel zu kurze Show 05. Februar 1973 MIDNIGHT SHOW

 

05. Februar 1973 MIDNIGHT SHOW

 

18 Minuten dauerte der Auftritt von Estelle Brown, Myrna Smith und Sylvia Shamwell die „Sweet Inspirations“ die Sweets spielten ein Medley aus ihren besten Songs extra für das Las Vegas Publikum zusammengestellt. Darunter wares Hits wie „Chain Of Fools“ und „Just A Little Bit“. Nach direkt nach dem Medley, verschwanden die „Sweet Inspirations“ von der Bühne. Es folgte eine kurze Ansage: „Und jetzt, der Comedy Star unserer Show, Jackie Kahane“.

 

23 Minuten lang begeisterte Jackie das Publikum mit Gags wie: Als wir hierher flogen, fragte mich der Typ neben mir: „Entschuldigung, aber lesen Sie die Zeitung gerade auf der sie sitzen“? „Gestern servierte mir ein Kellner im Restaurant ein Steak, und als er es brachte, hatte er seinen Daumen auf dem Fleisch. Ich fragte, was hat ihr Daumen auf meinem Steak zu suchen und er antwortete, er wolle nur verhindern, dass es ihm noch mal runterfällt. Neulich rief ich eine Telefonnummer an und der Typ am anderen Ende meinte, ich hätte mich wohl verwählt. Ich fragte, sind sie sicher und er antwortete: „Habe ich sie schon jemals belogen“?

Nach mehr als 40 Minuten Vorprogramm war es soweit. Das „2001“ Thema erklang und Elvis Presley stand vor 2.200 Menschen.  Elvis nahm die Gitarre an sich, die Charlie ihm nach einigen Verbeugungen entgegenhielt.

 

Und dann ging es los. „See See Rider“ war, der Eröffnungssong. Der Applaus für dieses erste Lied der Show war, wie in Las Vegas üblich, recht gesittet. „Danke. Well, well,....Nun, das war es auch schon Leute. Kurze Show“. Elvis ging nach dem kurzen „Well“ sofort in eine straffe Version von „I Got A Woman-Amen“ über. Keine Gags, kein ewig dauerndes „Amen“ und keine Sticheleien mit J.D. Sumner. Der gab zwar seine Bassstimmeinlage zum Besten, aber das war es auch schon. Mit „Until It´s Time For you To Go“ ging es weiter. Hier küsste Elvis ein Mädchen am Bühnenrand, wodurch er einige Zeilen nicht sang. Ansonsten auch hier wieder eine straff durchgesungene Liveversion. Nur ein genuscheltes „Danke“ leitete über zu „You Don´t Have To Say You Love Me“ irgendwann mittendrin küsste er erneut ein Mädchen, was selbst unter dem getragenen Publikum erste Begeisterungs-Schreie auslöste. Wieder gab es nach dem Song nur ein kurzes „Thank you very much“ und der Fender-Bass von Jerry Scheff schickte einen Schwall dumpfer Bass-Töne in den Showroom. Es war „Steamroller“. Elvis hatte daraus eine schon rockig anmutende Nummer gemacht, die mit dem getragenen, schwarz klingenden Blues nichts mehr zu tun hatte. Einige der Textzeilen würzte er mit aggressiver Stimme. Und James Burtons Gitarren-Solo war viel ungeschliffener als einen Monat zuvor in der „Aloha“-Show.  Außer einem „Thank you“ gab Elvis auch hier nichts von sich. Er hatte bis jetzt noch nicht mal das Publikum begrüßt. Marty Robbins´ „You Gave Me A Mountain“ stand als nächstes auf dem Programm. Das grelle Licht der Scheinwerfer erlosch und ein roter Strahler hüllte die Bühne in schummrige Atmosphäre. Erneut brummte Jerry Scheffs Bass durch den Saal und Elvis begann mit „Fever“. Er sang selbst seine Oldies heute ernst und ohne Showeinlagen durch. Bei jedem ‚Fever‘, das er mit erhobener Stimme sang, schrie der Showroom auf. Aber das berührte Elvis nicht. Am Ende von „Fever“ gab es das gewohnte „Danke. Vielen Dank. Ich möchte jetzt ein Medley aus einigen meiner Liedern singen“. Den Anfang machte „Love Me“. Hier kümmerte sich Elvis wieder mehr um die Mädchen am Bühnenrand, verteilte einige seiner Tücher. Ohne Ansage folgte „Blue Suede Shoes“. Elvis gab dem Publikum kaum eine Chance hierfür Applaus zu spenden. Sekunden später folgte schon die Ansage zum nächsten Song: „Mein erster Film hieß Love Me Tender. Und davon möchte ich etwas singen“. Es war das erste Lied, während dem Elvis zugunsten der Girls am Bühnenrand den Gesang etwas vernachlässigte. Das übliche „Danke“ war nun für James Burton das Zeichen. Sein Song war gekommen. Er haute das Intro zu „Johnny B. Goode“ in die Saiten und jagte Elvis durch den Song. Das „Thank you“ und ein einziger Gitarren-Akkord von James Burton genügte, um zu erkennen, was als Nächstes kam. „You ain´t nothing but a hound dog, rocking all time..“ Stammelte Elvis da im Bluestempo ins Mikrofon. „Das ist ein alter Hund“ erklärte Elvis zwischen zwei Zeilen das langsame Tempo des einstigen Rock ‚n‘ Roll Klassikers und sang dann zwei ganze Strophe in diesem langsamen Tempo. Erst dann ging er in das gewohnte Rock-Tempo über. „Danke“ rief er ins Publikum und zur Band gedreht ergänzte er „What Now..“. Es war klar, dass er damit nur „What Now My Love“ meinen konnte und sofort begann das Intro dazu. Auch dieser Titel war in der Elvisversion erst durch die „Aloha“ Show bei den Fans bekannt geworden. Die Band begann und Elvis verpatzte gleich die erste Textzeile. Er sang: „What now my love, now that it´s over“ anstatt „..now that you´ve left me“, und ließ sofort abbrechen.

 

 „Wartet mal. Noch mal, noch mal. Lasst uns noch mal von vorne beginnen“. Der zweite Versuch ging sauber durch und der Applaus für diesen Song war gigantisch für Vegas-Verhältnisse. Aber Elvis zeigte sich davon unbeeindruckt, wie immer in diesen Tagen. „O.k. vielen Dank“, kommentierte er die wachsende Begeisterung des erst so kühlen Publikums und ergänzte dann: „Ladies & Gentleman, ich möchte ihnen gerne das Stamps-Quartett mit einem Gospel-Song präsentieren, den wir im Jahr 1966 gemacht haben. Er heißt How Great Thou Art“. Was folgte, war wohl sicherlich eines der Highlights dieser Show. Dieser Gospel schien zeitlos zu sein und eigentlich war es unglaublich, dass Elvis dem spielhungrigen Vegas-Publikum ein Kirchenlied vorsetzte. Aber beide Seiten schienen es extrem zu genießen. „Danke. Sie sind ein sehr gutes Publikum. Danke“. Das Intro zu „Suspicious Minds“ erklang und so ging es vom religiösen traditional zum rockigen Superhit! Elvis fetzte durch das Lied. „Danke, ich möchte ihnen nun die Mitglieder meiner Band vorstellen meine Damen und Herren. Zuerst ist da Mister J.D. Sumner und das Stamps Quartett. Fantasisch. Die jungen Damen, die unsere Show eröffneten; die Sweet Inspirations. Das Mädchen, das die hohen Tonlagen singt, ist Kathy Westmoreland. Lead Gitarre ist James Burton, Rhythm Guitar John Wilkinson und am Schlagzeug ist Ronny Tutt. Am Fender Bass ist Jerry Scheff. Am Piano ist Glen Hardin. Und der Typ, der mir mein Wasser und meine Tücher gibt und der auch Harmony mit mir singt, sein Name ist Charlie Hodge. Unser Dirigent ist Joe Guercio. Das fantastische Joe Guercio Orchester“. Die Bandvorstellung war eine Sache von Sekunden und der Applaus für das Joe Guercio Orchester mündete direkt und ohne weitere Ansage in „I Can ´t Stop Loving You“. Das vorletzte Lied einer viel zu kurzen Show war gekommen. Das Publikum hatte gerade mit dem Applaus für das zurückliegende „I Can ´t Stop Loving You“ begonnen, als auch schon das Intro zu „American Trilogy“ begann. Eine 46 minütige Show neigte sich ihrem Ende. Elvis hatte „I´ll Remember You“ gar nicht gesungen. Das war doch der symbolische Hauptsong des zurückliegenden „Aloha“ Triumphes gewesen. Normal sang Elvis das im Januar/Februar Engagement hier in Las Vegas immer, aber heute sparte er sich das merkwürdigerweise. „Danke, sie sind ein tolles Publikum. Vielen Dank. Danke. Wenn wir sie heute Abend gut unterhalten haben, dann haben wir unsere Arbeit erfüllt meine Damen und Herren. Vielen Dank. Ein Song aus Blue Hawaii, denn ich gerne singen möchte. Es ist einer meiner Lieblingssongs“.Und schon erklang das Intro zu „Can´t Help Falling In Love“. Ein letzter Aufschrei fuhr durch das Publikum, als Elvis irgendetwas ins Publikum warf und wenig später war er verschwunden.

 

 


 

 

 

 

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