Elvis Live In Las Vegas, Nevada (International Hotel) Freitag, den 29. Januar 1971 Dinner Show

 

Freitag, den 29. Januar 1971 Dinner Show

 

Wie wild liefen die Kellner im Showroom durch die Reihen. Die im Ticketpreis enthaltenen Abendessen mussten den 2.000 Zuschauern im ausverkauften Showroom Internationale schnellstmöglich serviert werden. Erst dann konnte die Show beginnen. Schließlich war es soweit. Eine Stimme ertönte durch die Lautsprecheranlage: "Guten Abend Ladies 5 Gentlemen. Ich möchte sie im Namen des International Hotels willkommen heißen. Wir beginnen die Show mit den "Sweet Inspirations'!" Scheinwerfer flammten auf und der schwere Vorhang gab langsam den Blick auf die Bühne frei.

 

Die nächste Viertelstunde war ein Leckerbissen für Soul-Fans, die den typischen, ursprünglichen Sound des berühmten Motown Labels zu schätzen wussten. Nach dem ersten Soul Hit begrüßte eine der 'Sweets' das Publikum: "Willkommen Ladies & Gentleinen im wunderschönen International Hotel. Und willkommen zur Elvis Presley Show". Es folgte eine kurze Soul-Version von "Swing Down Sweet Chariot", die fast nahtlos in eine mehr als acht Minuten lange "Unchained Helotiy" Fassung überging. Eine flotte Soul Nummer, deren Titel wohl "Light My Fire" war, beendete das kurze Vorprogramm der 'Sweet Inspirations-'. Doch das Warten auf Elvis nahm noch kein Ende. Nach einem Swing-Titel des Orchesters erklang wieder die Stimme des Saalsprechers: "Ladies & Gentlemen. Hier nun ein weiterer Star unserer Show; Mister Sammy Shore!" Obwohl die 'Sweets' dem Publikum ganz schön eingeheizt hatten, war ihr Beifall eher mäßig. So war das eben in Vegas während den Dinner-Shows. Bei dem armen Sammy Shore, der eine weitere Viertelstunde sein Bestes gab, erfolgte am Ende fast gar keine Reaktion. Sammy Shore hatte die Bühne verlassen und erneut spielte das hauseigene Joe Guercio Orchester einen unterhaltsamen, swingenden Titel. Dann erstarb jegliches Geräusch auf der Bühne. Die Scheinwerfer verdunkelten sich.

 

Für einen Moment herrschte knisternde Spannung und dann konnte man die ersten Töne des "2001" in der Dunkelheit wahrnehmen. Es war ein Experiment von Elvis. Er wollte herausfinden, wie das Publikum auf dieses neue Eröffnungsinstrumental reagieren würde. Und so wurden die Zuschauer Zeuge einer der ersten Shows, die mit dem dramatischen Instrumental begannen. Später im Engagement würde er den Titel mitten in der Show wiederholen lassen, um das Publikum nach seiner Meinung über den neuen Show-Opener zu fragen. Als das "2001" zu Ende war und in eine andere Opening-Melodie überging, schritt Elvis endlich ins Scheinwerferlicht der Bühne! Auf dem Weg zum Mikrofonständer verbeugte er sich zur Begrüßung flüchtig und bewaffnet mit einer Gitarre startete er Sekunden später die Show mit "That's All Right". Er sah toll aus und hatte sich seit dem von MGH Mitgefilmten Vegas Engagement sechs Monate zuvor kaum verändert. Der fetzige Eröffnungs-Song hatte die Zuschauer sofort wachgerüttelt. Was die 'Sweets' mit vier Songs nicht geschafft hatten, erreichte Elvis gleich mit dem ersten Titel. Kur Momente später legte er mit "I Got A Woman" gleich noch Kohlen nach, um den Zuschauern weiter einzuheizenEr sang "I Got A Woman" pur, ohne es als Medley mit "Amen" oder "By The Time I Get To Phoenix" zu verbinden. Nachdem Elvis durch das Lied gefegt war und es mit dem gewohnten Blues-Ende abgeschlossen hatte, begrüßte er das Publikum: "Guten Abend meine Damen und Herren. Willkommen im International Hotel..und ah..mein..mein erster Filmsong hieß 'Love He Tender'". Die Band begann das Intro anzuspielen, doch Elvis blockte nach ein paar Takten ab: "Ja, so ging er damals". Er hielt die Spannung hoch. Die Mädchen drängten schon an die Bühne. Würde er diesen Song, während dem er immer unzählige Küsse zu verteilen pflegte, vielleicht gar nicht singen? Er machte noch ein, zwei ironische Bemerkungen über die Schnulze und gab der Band dann endlich das Zeichen zu einem neuen Take zu starten. Und schon begann die wildeste Knutscherei der ganzen Show. Elvis küsste ein Mädchen nach dem anderen und hatte schließlich Mühe mit der Melodie mitzukommen. Bald erkannte er, dass er die meisten Zeilen des Songs gar nicht mitbekam und er fing an das Lied ins lächerliche zu ziehen. Um alles doch noch ins rechte Lot zu bekommen, ließ er am Ende schnell eine Strophe 'nachspielen', wodurch die Version heute recht lange ausfiel. Als "Love Me Tender" zu Ende war, brachte er selbstverständlich seinen altbewährten Gag wieder: "Hallo. Ah..vielen Dank. Ich möchte denen, die ich gerade geküsst habe noch mitteilen, dass ich eine Grippe habe". Er trank einen Schluck Wasser und Glen Hardin fragte leise, ob nun "You Don't Have To Say You Love Me" an der Reihe sei. Elvis schluckte das Wasser herunter, räusperte sich und nickte zustimmend: "Year, fang' an". Glen, der Mann am Klavier, gab einen Ton vor. Elvis war jedoch abgelenkt. Glen gab ihm den Ton noch einmal vor. Wieder stimmte etwas nicht. Erst beim dritten Mal stieg Elvis dann mit einem energischen "When I Said..I needed you.." ein. Auch bei diesem Lied war Elvis während den meisten Passagen vorne am Bühnenrand zu finden. Einem Mädchen gab er im Vorübergehen einen Kuss, worauf die fast hysterisch wurde. Doch Elvis lächelte nur und meinte cool: "Werd jetzt nicht wild"! Er verpasste noch zwei, drei Zeilen durch das wilde Getümmel an der Bühne.

 

 Nach dem Song machte sich Elvis wieder einmal über sich selbst lustig. Er war ein Meister darin sich durch kurze Satzfetzen oder Gesten selbst auf die Schippe zu nehmen. Das Publikum liebte das. Doch schon nach wenigen Worten machte er mit dem nächsten Lied weiter. Zu dieser Zeit konnte er das Verhältnis zwischen den Songs und dem Gerede während einer Show noch in der Waage halten. Nach fast jedem Lied schaffte er es mit wenigen Mitteln die Atmosphäre im Showroom konzentriert aufzulockern, um dann sofort wieder den nächsten Hit nachzuschieben. Ihm war klar, dass gute Gags und Dialoge sein mussten. Aber die Leute waren eindeutig gekommen, um gute Musik zu hören. Seine Auftritte waren, vermutlich durch irgendwelche Verträge mit dem Hotel Management, auf nur knapp 45-55 Minuten Dauer begrenzt worden. Schnell hatte man diese kurze Zeit vertan. Also ging Elvis sofort zum nächsten Titel über. Es war "Sweet Caroline". Dieser Song war Elvis wie auf den Leib geschrieben. Obwohl Neil Diamond damit im Juni 1969 einen Riesenerfolg landete, traute sich Elvis an eine Cover-Version davon heran. Und wie so oft vorher schaffte er es mit einem guten Arrangement und starker Interpretation einen 'Elvis-Hit' daraus zu machen. Der Applaus bestätigte ihm das. Wahrend Elvis "Sweet Caroline" sang, versuchte Charlie Hodge ihn an einer Stelle zu überlisten, um ihm von hinten Wasser in den Kragen des Jumpsuits zu schütten. Doch Elvis bemerkte das, ergriff seinerseits ein Wasserglas und goss es Charlie Über den ganzen Anzug, ohne den Vortrag zu unterbrechen. Erst am Ende des Liedes hauchte er grinsend ein 'year' ins Mikrofon und ließ Charlie mit einem Schmunzeln wissen: "Versuch' das ja nicht noch mal Mann"! Nicht nur das Publikum, sondern auch die Jungs auf der Bühne schienen eine tolle Zeit gehabt zu habe. Das Licht erlosch und Elvis hatte dem Publikum inzwischen den Rücken zugewandt.  Hur  ein einzelnes Spotlight traf ihn jetzt noch. Ein Bass und das Schlagzeug bildeten das dumpfe Intro zu "You've Lost That Lovin’ Feeling". Leise begann Elvis die ersten Textzeilen zu singen. Als das Publikum das Lied, das er in ähnlicher  Weise ja schon in TTWII vorgetragen hatte erkannte, klatschte es spontan Beifall und Elvis schrie mit piepsiger Mickey Mouse Stimme  ein  markerschütterndes; " Thank  you  ins  Mikrofon.  Das  Publikum war darüber sichtlich amüsiert, aber der Rest den Songs verlief dann doch sehr seriös. Elvis sang zuerst mit leiser, tiefer Stimme weiter. Doch dann schrie er sein dramatisches "..but Baby.. Baby I kuow it.." ins Mikro, die Wand hinter ihm flammte dunkelrot auf und mit einem Ruck drehte er sich dramatisch zum Publikum zurück."You've Lost That Lovin' Feeling" war kaum zu Ende, da grollte das Baßintro zu einem anderen Lied durch den Showroom. Es war das Intro zu "Polk Salad Annie". Elvis ließ die Geschichte von Annie heute weg und stieg sofort in den Gesangspart ein. Irgendwie schien es, als müsse er aufgrund des Zeitlimits überall Zeit einsparen. Selbst Jerry Scheffs Baßgitarren-Solo wurde gestrafft.

 

Trotz der gebotenen Eile schaffte es Elvis das Ende des Songs wie gewohnt mit viel Action zu würzen. Doch plötzlich, nach zwei, drei Karate ähnlichen Trittkombinationen, war die Sache gestorben. Ein starker Song, mit ebenso starkem Bühnenarrangement! "Dieser Beat..dieser Beat kann tödlich sein", bemerkte Elvis, der an dieser Stelle völlig außer Puste zu sein schien, "Ah, ich mochte ihnen jetzt.. danke"-. Ein Mädchen hatte Elvis ein Geschenk auf die Bühne geworfen und damit seine Aufmerksamkeit erregt. Er hob das Geschenk auf, sah es sich kurz an und kniete sich dann an den Bühnenrad, um das Mädchen zu küssen: "Aah, ich möchte ihnen jetzt die Mitglieder meiner Band hier oben auf der Bühne vorstellen meine Damen und Herren. Die Jungs dort im Hintergrund bilden das Nummer 1 Gospel-Quartett des Landes; die "Imperiais''' . Die Jungs im Vordergrund. ,ah..die jungen Damen, die unsere Show heute Abend eröffneten, sie sind die "Sweet Inspirations". An der Lead Gitarre ist James Burton". Ein Spotlight strahlte James in diesem Augenblick an und er begann wie ein Wilder auf seine Gitarre einzuhauen. Was dabei herauskam, war eine Wahnsinnsversion von "Johnny B. Goode", die Elvis stimmlich begleitete. James krönte den Mittelteil mit einein furiosen Solo und Elvis feuerte ihn mit standigen Zurufen zu immer weiteren Höchstleistungen an. Was wie eine spontane Einlage während der Band Vorstellung begonnen hatte, war zu einem der vielen Highlights der Show geworden. "James Burton Ladies und Gentlemen", bemerkte Elvis anerkennend und fuhr fort: "An der Rhythmus-Gitarre ist Mister John Wilkinson. Am Fender Bass ist Jerry Scheff. Am Schlagzeug is Ronnie Tutt. Also, das hier ist Tutt und Scheff Tuttscheff. Ah, am Piano ist Mister Glen Hardin. Das hier ist Charlie Hodge. Unser Dirigent ist Joe Guercio Ladies und Gentlemen". Elvis stellte dann noch das Joe Guercio Orchester vor und drehte sich dann fragend zu Charlie um: "Something"? Charlie nickte zustimmend und schon begann das Intro. "Well since maah baby lef" määh..", diese von Elvis im schmutzigen Süds Tasten-Akzent gesungene Textzeile gehörte natürlich zu "Heartbreak Hotel" und läutete den Oldie-Block ein, der das letzte Drittel der Show einleiten sollte. In den Beifall für das Lied hinein kündigte Elvis an, dass er gerne noch ein paar weitere Songs singen würde, die er 'vor ein paar Jahren' aufgenommen hatte. Und schon stürzte er sich in eine gute Version von "Blue Suede Shoes". "Teddy Bear". Glen Hardin spielte das Intro auf dem Klavier nach und schon begann eine ganz spezielle Version. des Liedes. Dieses Lied war so arrangiert, dass Elvis es als eigenständigen Titel und nicht zusammen mit "Don't Be Cruel" bringen konnte. Ein Rocker ganz besonderer Art stand unmittelbar bevor! Elvis alberte ein wenig mit dem was da kommen sollte herum. Breitbeinig, den Oberkörper leicht nach vorne gebogen, stand er da. "Wenn man den nächsten Song singt und dabei geradesteht, dann kann es einem dabei die Stimmbänder herausreißen..YOU AlN'T.."! Er schrie diese Worte aus sich heraus und das Publikum zuckte amüsiert zusammen. "Sehen sie, ich war damals gerade 20 Jahre alt, als ich dieses Lied sang. Es kann also durchaus möglich sein, dass ich heute dabei versage. Normal müsste Wayne Newton dieses Lied heute für mich vortragen". Er hämmerte die dritte Strophe des Liedes immer und immer wieder in die Lautsprecheranlage. Ein 'how' von ihm galt James Burton als Zeichen für ein atemberaubendes Gitarrensolo. Ein teuflischer Vortrag. Nach nur 54 Sekunden war der Spuk vorbei. Er grinste hämisch als "Hound Dog" zu Ende war, warf Joe Guercio eine lustige Bemerkung zu und widmete sich dann einer ganz besonderen Rarität: "Ah, lasst mal sehen. Ich sag euch was. Lasst uns 'Snowbird' bringen.

 

Mögt ihr diesen Song "Snowbird"? Kennt ihr den Anfang davon? Wenn ihr den Anfang davon kennt;, bringe ich den Mittelteil..nein, ich kenne dann den Rest davon". Charlie Hodge wollte Elvis wieder einmal darüber belehren, wie er das Lied am besten über die Bühne bringen könnte. Doch Elvis grinste und meinte nur mit ironischer Strenge: "Ach, sei still"! Das Publikum lachte sich über Elvis' Unsicherheit halbtot. Er gab der Band ein paar Anweisungen und schon ging es los. Doch Elvis stoppte die Sache: "Das ist zu langsam"! Er versuchte Ordnung in das Chaos zu bekommen und wieder lachte sich das Publikum über Elvis' Unbeholfenheit kaputt. Er sang einige Zeilen a capella und versuchte damit in die Melodie zu finden. Doch sofort begann die Band mitzuspielen, obwohl Elvis das zu dieser Zeit noch gar nicht wollte: "Beneath this snowy mantle cold and clear..wartet mal eine Minute Jungs. Anhalten"! Wieder machte er ein paar spaßige Bemerkungen darüber, dass er noch lange nicht soweit sei. Er nuschelte ein paar weitere Textzeilen vor sich hin und dann endlich war er bereit- Erneut erklang das tolle Intro und dieses Mal seil äffte es Elvis eine der superraren Live-Versionen dieses Titels hinzubekommen. Auf der CD "Neon City Nights" gibt es eine weitere Live Fassung von "Snowbird", aber die erreicht längst nicht die Qualitäten des heutigen Vortrages. Kurz vor Ende des Auftrittes erregte wieder ein Mädchen am Bühnenrand Elvis' Aufmerksamkeit: "Vielen Dank. Was hast du denn im Sinn"? Eine überflüssige Frage. Einen Kuss wollte sie von Elvis. Und den bekam sie natürlich auch. "Das ist schon ein harter Weg sich seine Brötchen  zu  verdienen", kommentierte der arme King den Vorfall. Er tuschelte ihr noch etwas zu und dann war der Abschied gekommen: "Vielen Dank. Sie waren ein fantastisches Publikum". Ein anderes wartete schon vor der Showroomtür auf Einlass. Zum Abschluss hatte Elvis ein ganz besonderes Lied vorbereitet, nämlich "The Impossible Dream". Ein perfekter Abschluss für diese Show. Das Publikum stand zum Abschied fast auf den Tischen. 2.000 Fans hatten Elvis live erlebt.

 

 


 

 

 

 

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