Samstag, den 23 Juni  1973

 

Uniondale Long Island New York, Nassau Veteran Coliseum Nachmittags-Show

 

Heute war  Samstag.  Für  Elvis war das  traditionell  der Tag,   an dem er am ehesten  eine Zusatzshow am Nachmittag in den Tourplan einzufügen pflegte. Seine heutige Matinee-Show war  für  15:00 Uhr angesetzt.

 

Man  konnte während  diesen weiteren Auftritten hier  in Uniondale schnell feststellen,   dass Elvis mit jeder  Show sicherer wurde.  Man  beobachtete das sehr oft.   Elvis  gewöhnte  sich sehr  schnell  an eine Bühne.   Er wusste bei der  zweiten  Show viel  besser  darüber Bescheid,   wie  und wo  er  sich  auf ihr bewegen konnte.   Und  irgendwie  konnte er  sich  bei  einem zweiten Auftritt viel  besser  auf  das  Publikum,   das  in jeder   Stadt  anders  war, einstellen. Und  so  ergab  es  sich auch dieses Mal,   dass  Elvis während jeder seiner vier Shows  hier  im Nassau Coliseum immer  besser wurde.

 

An  diesem Nachmittag  trug  Elvis  den "Snowflake-Suite" . Gegen den grellen Schein der Scheinwerfer erkannte er in der ersten Reine einen Fan mit  einem riesigen  Schild  "Long  Live The King". Charlie   brachte  wieder  die  schwarze  Gitarre   zu  ihm  rüber  und sofort heizte  Elvis   dem  New  Yorker  Publikum mit   "C.C.   Rider"  ein.   Er   blickte dabei  immer  in  das Dunkel  direkt  vor  der Bühne.   Als  er  sich jedoch  an  einer  Stelle  im  Lied   plötzlich  ruckartig  zu  den  Fans  seitlich  an   der  Bühne umdrehte, brach dort sofort ein nicht zu bremsender Begeisterungssturm aus. "Thank  you.   Well,   well,   well,   well,   well,   well,   well..  I   salid I got  a  woman.  Als  zweites  Lied   kam "Burning   Love" . Nach  den  beiden  Eröffnungsliedern  kam  erst   einmal   die  Begrüßung:    Guten  Abend  Ladies  &  Gentlemen.   Es  ist  uns  eine  Freude,   hier zu  sein. Wir hoffen,  sie  genießen die  Show an diesem Nachmittag.   Ich möchte jetzt gerne kurz   'Love Me Tender“   für sie  singen".  Und  in das  Geschrei  der 16.500 Menschen hinein,   begann er zu singen  "Love me  tender. . .".   Er unterbrach. "So,   das war  kurz   'Love Me Tender'".  Eine Mischung  aus  Protestrufen und Gelächter  füllte  das  Coliseum.   Und  Elvis  begann sofort  ein  zweites Mal mit  der  Ballade  aus  seinem  ersten  Film.   Er  lief  während  dem  ganzen Lied am Bühnenrand auf und ab,   schüttelte Hände  und  reichte seine Schals in die  begehrende Menge.  Manchmal  tat  er  kurz  so,   als würde er sich von der  Bühne  ziehen lassen.  Aber  er war ja nicht  lebensmüde.  Als das Orchester  dann  die  letzten Töne des Liedes spielte,   sang Elvis diese wie ein Opernsänger  mit  und er  endete mit  einem Ton,   der  sich  fast wie der Schlusston  von  "Guadalajara" anhörte.

 

"Thank you  very much.   'Steamroller'".   Die  erste Hälfte war durchzogen von den Begeisterungsrufen der  Fans.   Elvis  brachte  eine tolle Fassung  davon, auch heute ging es  mit  einem zweiten  Song aus dem Super-Special  "Aloha  From Hawaii" weiter.   Das  Album zu diesem Spektakel war in den vergangenen Tagen bis auf Platz  1  in  den Charts geklettert. Und da es  sonst  fast keine nennenswerte Hitparadenerfolge  in  dieser Zeit für Elvis zu verbuchen  gab,   musste er eben auf  das Material  der Satelliten Show zurückgreifen.   Also wählte er  "You Gave Me A Mountain"  als weiteren neuen Song aus. "Vielen Dank.   Vielen Dank Ladies & Gentlemen.   Ich möchte  gerne  ein Medley aus einigen meiner  Songs  bringen".   Es folgte  ohne weitere Ansage "Love Me" ,   "Blue  Suede  Shoes"  und das Medley aus  verschiedenen Rock-Songs. Bei letzterem fiel  auf,   dass  er  "Flip,   Flop & Fly"  gegen  "Shake,   Rattle & Roll ausgetauscht  hatte.   Als  er  während  der  Textzeile  "..shake  it   baby shake it.."   in   "Whole  Lotta  Shakin'   G oing  On"  wild  mit   den  Beinen  wackelte, war das Publikum sofort wieder  völlig  euphorisch.   Das wollten  sie sehen!

 

"Danke.   Danke  (Aufschrei  der  Fans,  weil  er  sich mit  einem Tuch  den Schwei von der  Stirn wischte  und dieses  dann in die Menge warf).   Ihr seid fantastisch.   Da  gibt  es  einen Song Ladies & Gentlemen.   den wir  vor  ein paar Jahren gemacht  haben.   Er  heißt   'I'm Leavin'' ."Thank  you.   Bridge".  Der  kurzen  Ansage  folgte  ein  großer   Song. "Bridge Over Troubled Water" war auch in  dieser  Show eines  der wenigen stimmlich anspruchsvollen Liedern.

 

Das Licht  erlosch,   die  Bühne  versank in rotem Licht.   Fever! "Thank  you.   You're  a  good  audience".   Diesen  Satz  musste  er  wohl hundert Mal  innerhalb der Tournee  gesagt haben.   Und  schon war  er bei "What Now My Love".   Bisher war  das Programm völlig  identisch mit  dem der gestrigen  Show.   Aber  das  sollte  sich  ändern, Der  nächste  Titel  war eine Ergänzung,   auf  die  gestern  viele  vergeblich gewartet  hatten.  Elvis  beugte  sich  nach  vorne und  stützte  sich mit  dem Ellbogen auf dem Oberschenkel  ab.   Nach  seinem  "You ain't.."  legte  er eine schöpferische Pause  ein.   Er  genoss  es,   die  Reaktionen  der  Fans  auf  diese  ersten beide Worte  zu  beobachten.   Nach einem Augenblick setzte  er  das  Lied  im Blues-Tempo  fort.   Er mag  zwei,   vielleicht  drei  Strophen  in  dieser Geschwindigkeit  gesungen haben.   Doch dann  sprang er aus seiner  verkrampften Position heraus  und wie eine Furie  fegte er  durch den Rest  des Kult-Rockers. Als er  schlagartig  die Geschwindigkeit  des  Liedes  änderte,   sprangen die Fans vor Begeisterung  von den  Stühlen auf.  Da hatten wir wieder  den Beweis.   Die Leute  scherten sich nicht  um  "My Way"  oder andere melancholische Balladen.   Sie wollten die  Songs  der  goldenen Ära  des  Rock hören.

 

"Thank you.   'spicious Minds".   Bei  dieser Nummer merkte man  deutlich, dass Elvis heute  viel  besser  drauf war.   Er ging  viel mehr  aus  sich heraus; bewegte  sich wesentlich wilder.   Immer wenn er  gegen Ende  des Liedes die Textzeilebecause  I  love  you too much.."  unterbrach,   um wie ein Verrückter mit  den  Armen  durch die  Luft  zu schnellen,   pflanzte  sich der Schrei  der Fans wie eine Welle  durch das  gesamte Coliseum  fort.   An einer Stelle  im  Lied  machte  er  einen  Spagat   auf   der  Bühne  und   änderte  den Text treffenderweise  von  "..weil  ich dich  viel  zu sehr  liebe  Baby"  in "..ich hoffe der  Anzug  reißt  nicht Baby".

 

Dann war  es wieder Zeit  für die Vorstellung  der Musiker.   Elvis gebrauchte  dafür heute  fast  ausnahmslos  die  selben Worte wie  gestern. Und  auch in  dieser Show bedankte  er  sich  für  die Geduld  der  Fans: "Ich möchte  ihnen dafür  danken,   dass  sie so lange  im Regen  gestanden haben, um an Tickets  zu kommen.   So,   lasst  uns . . ah.. 'All  Shook Up'   bringen", leitete er  von  der  Bandvorstellung  zum  zweiten  Teil  der  Show  über.   Das  war also im Vergleich  zu gestern bereits die  zweite Programmänderung.   Elvis sang das  Lied mittlerweile  fast  doppelt  so schnell,   wie  damals  1956  im Studio. Dem heruntergekurbelten  "All  Shook Up"  fiel  leider  eines  der  wenigen anspruchsvollen  Lieder der  Show zum Opfer;   "I ll  Remember  You" nämlich. Das  war  ein  schwerer  Verlust   für  das  Konzert.   Aber  Elvis  glich  das sofort wieder aus mit  einer Rarität,   die  zwar unwesentlich,   aber  doch irgendwie erwähnenswert  war.   Nach kurzer Absprache setzte James  Burton mit  dem Gitarren-Intro  zu  "Don't  Be Cruel"  ein.   Normal  pflegte Elvis  seit  dem Jahr 1970  "Don't  Be  Cruel"  nur  noch  im Medley  mit   "Teddy  Bear"  zu  singen. Es war herrlich,   heute mal wieder  die Gitarren-Einleitung  zu hören.   Das Lied litt jedoch  darunter,   dass Elvis wieder  nur  die  paar  Zeilen  sang,   die er sonst  auch  immer  im Rahmen des Medleys  verwendete.   Die  "So  let's walk up to a preacher"  Strophe  strich  er wieder ersatzlos.   Außerdem wurde auch hier  wieder   alles  im  Schnelldurchlauf gesungen.

 

Der Rest  der  Show war  dann  fast  auf  die  Sekunde  genau mit  dem Ablauf der gestrigen Show identisch.   Der  Frage: "Do  you know what  I can't  do?" folgte "I  Can't   Stop  Loving  You",   woran  sich  eine   tolle  Interpretation  der "American  Trilogy"  anschloß.   Wieder  gab  es  zum  Ende  der  Show  noch  einmal richtig  Zunder  mit   "A  Big  Hunk  0'   Love".   Ich  finde  das  immer  wieder  stark, wie zuerst  eine  Strophe von Elvis  gesungen wird  und  dann Glen  Hardin sein Klaviersolo  einbringt.   Dann singt  Elvis wieder  ein  Stück um schließlich von James  Burtons Gitarre  abgelöst  zu werden.   Ein tolles Arrangement dieses Rock  n Rollers  erster Güte.  Da es  die  Soli  der Musiker  im Rahmen einer ausgedehnten Band Vorstellung  zu dieser  Zeit  noch nicht  gab, finde ich es  berechtigt,   dass  die  besten Mitglieder  der  Band  wenigstens  in diesem Rahmen eine Chance erhielten,   ihr  Können unter  Beweis  zu stellen.   Dass Elvis  den Mann  am Klavier mit  seinem "Play  it  Glen"  anspornte,   war eigentlich  gar  nicht   nötig,   denn   der  spielte  schon,   was  die  Tasten hergaben.

 

Doch es half alles  nicht.  Das Ende des Konzertes  stand  unmittelbar bevor Elvis  ließ  es  sich nicht  nehmen,   auch während  des heutigen Auftrittes ei nen Blick auf das Publikum bei  normalem Saallicht  zu werfen: "Ladies & Gentlemen..ich möchte  gerne ah..ich möchte  gerne  die  Saallichter anschal ten lassen,   um einen Blick auf euch werfen zu können".   Die Menge tobte! Jeder winkte Elvis  und  den anderen Fans zu Inzwischen war Charlie Hodge schon wieder dabei  Elvis sein Cape umzuhängen.   Es war  übrigens  eines der letzten Konzerte,   während denen Elvis ein solches Cape  gebrauchte. Mit dem Ende dieser Tour,   verschwanden auch die berühmten Umhänge,   aus den Elvis Shows.   Wieder würde  dadurch ein  legendäres Kapitel  einer ungewöhnlichen Karriere zu Ende gehen.

 

"Ein Song von   ' Blue Hawaii,   den  ich gerne  für  sie  singen möchte". Unter dem Geschrei  der Fans konnte man leise das Klavier  von Glen Hardin hören und wenig  später war  Elvis  schon mitten im Lied.   Er warf  letzte Tücher in die Menge  und   'streifte'   noch  einmal  so  viele Hände wie möglich. Am Ende  legte  er  das Mikrofon vorsichtig auf den Bühnenboden und  lief mit ausgebreitetem Cape über  die Bühne.  Während der  letzten   'Ehrenrunde' lies er  sich auf die Knie  fallen,   was  das Publikum ein  letztes Mal  in Begeisterungsstürme  versetzte.  Und  schon bald hörte man über  die gewaltige Soundanlage  das  berühmte:  "Elvis  has  left  the  building.   Thank you and goo afternoon"!

 

 


 

 

 

 

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